»Winning time« – Ein Gespräch mit Dirk Nowitzki

Silke Mayer hat mit Dirk über seinen Weg zum Erfolg und seine Art des Leadership auf dem Spielfeld und im Leben gesprochen.

Unser Anliegen im 41Campus ist es, die persönliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Sportteams wertebewusst zu begleiten. Deshalb wollen wir vor allem Trainer und Trainerinnen in ihrer Vorbild- und Mentorenfunktion stärken. In unserem Podcast spreche ich mit erfolgreichen Menschen im Sport über werteorientiertes Leadership.

In dieser Podcast-Folge habe ich mich mit Dirk unterhalten, der auf dem Spielfeld und durch seine Stiftungsarbeit gezeigt hat, was werteorientiertes Leadership bedeutet: mit gutem Beispiel voran zu gehen und Verantwortung zu übernehmen.

Silke Mayer: Die LA Lakers und Miami Heat spielen gerade in den Finals um die NBA Meisterschaft. Wie geht es Dir, wenn Du Spiele anschaust? Wirst Du noch wehmütig? Kommen Dir Erinnerungen an Eure Finalserien gegen Miami?

Dirk Nowitzki: Ich verfolge das natürlich schon, vor allem die Mavericks-Spiele habe ich mir komplett angeschaut. Ich muss sagen, ich bin so ein bisschen über Basketball hinweg. Mein letztes Spiel ist über 1,5 Jahre her und ich habe damit gut abgeschlossen. Basketball habe ich so lange gemacht, da wollte ich ein bisschen Abstand gewinnen. Irgendwann wird es mich zum Sport wieder richtig hinziehen, aber im Moment habe ich nicht ganz so großes Interesse am Basketball.

Wenn Du zurückblickst auf Deine Spielerkarriere, wie war Dein Leadership Style?

Ich bin eher der schüchterne, zurückhaltende Typ. Für mich war am Anfang die Führungsrolle schwer. Ich musste da so ein bisschen reinwachsen. Als ich nach Dallas kam, waren Steve Nash und Michael Finley hier, und hinter den beiden habe ich mich immer so ein bisschen versteckt. Die beiden waren die besten Spieler und super Führungsspieler. Und dann auf einmal war Steve weg und ein Jahr später auch Michael. Damit bin ich so ein bisschen ins kalte Wasser reingeworfen worden und musste meinen eigenen Stil finden. Das war schwer. Ich habe ein paar Fehler gemacht, da war ich manchmal zu emotional, zu aggressiv. Ich habe dann mit Erfahrung meinen Weg gefunden. Ich habe versucht, immer positiv zu bleiben mit den Mitspielern, anzusprechen, wenn mir etwas nicht gefallen hat, was wir ändern können auch während dem Spiel. Aber trotzdem war ich immer der Typ, der eher mit gutem Beispiel voran gegangen ist und nicht der große Redner. Ich habe versucht, immer als Erster in der Halle zu sein und als Letzter zu gehen, immer hart zu trainieren und im Spiel alles zu geben.

Was hat Dir am meisten Spaß gemacht an der Führungsrolle?

Das war auf dem Spielfeld die »winning time«. Der Ball kommt zu Dir und Du versuchst, die Mitspieler auf Deinem Rücken ins Ziel zu tragen. Die wichtigen Körbe zu machen und zu versuchen, das Spiel zu gewinnen. Das sind tolle Situationen, die ich nie vergessen werde. Du bist mit einem Punkt hinten oder es steht unentschieden kurz vor Schluss, Du kommst in die Auszeit und Du weißt, der Coach wird ein System ansagen … und dann kommt der Ball zu Dir. Diese Emotionen und Gedanken, die Du da durchlebst und die Erfahrungen, die Du da machst … dieses Nervenkribbeln ist schon super. Alle schauen auf Dich. Die 20.000 Menschen in der Halle wissen was kommt, die Gegenspieler wissen was kommt ,und trotzdem können sie es nicht stoppen.

Du bist bekannt als harter Arbeiter. Disziplin war ein Wert, der Dich immer ausgemacht hat. Was hat Dir geholfen, Disziplin zu halten?

Wenn wir die Playoffs nicht erreicht haben oder ich meine persönlichen Ziele nicht erreicht habe, das hat mich immer wieder motiviert. Es ist ein bisschen wie eine emotionale Achterbahnfahrt. Aus schweren Situationen musst Du lernen. Als wir die Finals verloren haben oder in den Playoffs ein wichtiges Spiel verloren haben. Es ist klar, dass Du frustriert und deprimiert bist, aber aus dem Loch musst Du Dich wieder rauskämpfen. Und dann freust Du Dich auch wieder auf die nächsten Aufgaben. Es motiviert Dich, irgendwann dann doch Dein Ziel zu erreichen. Das musste ich auch lernen. Am Anfang habe ich Niederlagen sehr schwer genommen. Nach der Finals-Niederlage 2006 wollte ich zwei, drei Wochen nicht aus meinem Haus. Mit Erfahrung kann man Niederlagen dann besser verarbeiten und kann sagen »Hey schau wieder nach vorne. Freu Dich auf die nächsten Aufgaben und versuche aus Deinen Fehlern zu lernen«.

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Das gesamte Gespräch

Wenn Du wissen willst, was Dirk Nowitzki mit einem Pfau gemeinsam hat, dann höre Dir das gesamte Gespräch hier als Podcast an.

Foto © Philipp Reinhard

Dirk gilt als einer der besten Spieler in der Geschichte des Basketballsports. Er war von 1998 bis 2019 in der nordamerikanischen Profiliga NBA für die Dallas Mavericks aktiv. In der NBA-Saison 2006/07 wurde er als erster Europäer zum MVP gewählt, dem wertvollsten Spieler der Hauptrunde. In den NBA Finals 2011 gewann er mit den Mavericks als erster Deutscher die NBA-Meisterschaft und wurde zudem mit dem Finals MVP Award als wertvollster Spieler der Finalserie ausgezeichnet.

2005 gründete er die Dirk Nowitzki-Stiftung, aus der 2019 die Bildungsplattform 41Campus entstanden ist.

___ von Silke Mayer.